SOULWORX beim bdvb Wirtschaftskongress, Düsseldorf. 

Das Motto “Digitale Transformation – der Faktor Mensch” des bvdb Wirtschaftskongresses in Düsseldorf klang für uns erstmal sehr verlockend. Nachdem wir aus Hamburg und Berlin am Montag angereist waren und den Abend mit Pasta und Aperol ausklingen ließen, startete der nächste Morgen ganz im Sinne unseres Namens – erst SOUL, dann WORX. Wir rollten unsere Matten aus, tankten Energie mit einer kurzen Yogastunde von Youtuberin Yoga with Adriene und setzten eine gedankliche Intention für den Tag mit hilfe der Soulful Meditation Challenge unserer Freunde von Integrale Vision. Kurz gesagt, wir fühlten uns bereit, um in die Welt des deutschen Mittelstands einzutauchen.

Nicht anders erwartet, trafen wir im Lindner Hotel auf ein doch recht ernüchterndes Bild eines erdrückenden, 0815 Konferenzraumes und 85%-iger Männerquote in Anzug und Krawatte. Als Co-Sponsor der Veranstaltung strahlte immerhin unser Logo an der Wand und brachte etwas Wärme und – wiederum Soul – in die Atmosphäre.

Der Auftakt-Vortrag begann und schnell wurde klar, dass der Faktor Mensch eher als Nebenprodukt des Digitalisierungsprozesses eingestuft wird, und nicht, wie wir es erhofft hatten, als Zentrum der zukünftigen Positionierung.

Ganzheitliche Transformation nur mit dem Rückgrat der Führung

Anders gestimmte Töne durften wir dann von Frau Bingmann, Chief Human Resources Officer des Technologiekonzerns ZF Friedrichshafen AG hören. Sie zeigte wie eine ganzheitliche Transformation von außen – im Innovationsmanagement, Kundenfokus, Ergebnisorientierung und von innen – in neuen Formen der Zusammenarbeit und Führung funktionieren. Für uns ein gelungenes Beispiel eines traditionellen deutschen Unternehmens mit hoher technische Expertise, die den Menschen ins Zentrum stellt und bereits New-Work-Konzepte umsetzt. Ob in Form von ‘Digital Out Loud Circles’ im Führungskreis oder ‘Fail & Learn Nights’ im Rahmen der Teams, wichtig ist, dass hier experimentiert werden darf und vor allem, dass die Führungskräfte mit klarer Haltung hinter dem Wandel stehen. Wir sind neugierig geworden und werden euch in einer kommenden Story für Humans Of New Work mehr berichten.

Ein weiteres Beispiel eines mittelständischen Unternehmens aus der Verpackungsindustrie, Wetropa GmbH, teilte eine ebenso praxisnahe Erfahrung in Zusammenarbeit mit Partner BrightSight Solutions. Geschäftsführer Dirk Breitkreutz gab Einblicke in den Change-Prozess, der mit einer kleinen Prozessoptimierung anfing und in einem neuen, digitalisierten Geschäftsmodell des MyFoam Marketplace entstanden ist. Wir sind begeistert, wie in solchen Nischenmärkten ebenso nach Trial & Error Mentalität zusammengearbeitet und vorangegangen wird.

Weiter ging es mit einer gedanklichen Fahrt in die Mobilitätsbranche. Als Mitspieler zu Nico Gabriel der DriveNow GmbH & Co. KG bewegt sich die Deutsche Bahn, dort vertreten durch Frank Klingelhöfer, ebenso stärker in digitalisierte Prozesse und Tools. Bereits seit 2014 öffnete der Konzern eigene Innovation Labs wie d.lab, Skydeck and DB mindbox und möchte vermehrt Start-ups durch den eigenen Accelerator an sich binden. Ob das der richtige und langfristig sinnvolle Weg hin zu einem innovativen Mobilitätsanbieter ist? Das bezweifeln wir stark. Viele Großunternehmen wählen heute den Weg der eigenen Ausgründung oder Partizipation aufstrebender Modelle, was auf der einen Seite sicherlich in einer Handvoll fruchtbarer Lösungen aufgehen kann, auf der anderen Seite jedoch den Faktor Mensch unterschätzt.

Start-up Kultur einkaufen oder integrieren?

An dieser Stelle kam unsere Gründerin Julia von Winterfeldt ins Spiel und eröffnete gemeinsam mit Wirtschaftswoche Redakteur Thomas Kuhn und Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups Florian Nöll die Diskussionsrunde.

So schnell wie die Start-up Welt sich dreht, fallen Worte wie Profit, Growth, Exit und Silicon Valley. Nach Florian Nölls Einschätzung scheint jedoch die Schnelllebigkeit wie der ansteigende Marktdruck keine sichtbaren negativen Auswirkungen auf die Mitarbeiter zu haben. Im Gegensatz zur USA neigen deutsche Start-up Kulturen nicht zwingend zur Selbstausbeutung. Was wohl der durchschnittliche Mittzwanziger bei Rocket Internet dazu sagen würde?

Interessant wird es bei der Frage nach Herausforderungen, denn da ist und bleibt eines klar: Führung will gelernt und gelehrt werden. Oft fehlt es bei jungen Unternehmern an Erfahrung und Selbstführung, wo Julia den Faden des notwendigen Kulturwandels in unserer heutigen Arbeitswelt aufgriff.

Wir fokussieren uns zu sehr darauf, ‘irgendetwas zu tun’ und uns damit zu beschäftigen. Was oft verloren gegangen ist, ist die individuelle Verbindung des Individuums zur eigenen Arbeit und damit auch zur Organisation.

Im Zuge dessen können so viele Innovation Hubs oder Labs keine integrative Zukunftslösung sein, auch wenn der Drang nach Innovation noch so hoch scheint. Durch die Abgrenzung des einen ‘Schnellboots’ zum großen ‘Tanker’ geht nach Julias Erfahrung genau diese essentielle Verbindung verloren. Wie sollen sich die unterschiedlichen Kulturen wieder re-integrieren – für ein ganzheitliches Vorgehen? Wir sind überzeugt, dass ohne den Hauptantrieb aus der Unternehmung heraus kein Wandel wirklich erfolgreich losgelöst werden kann, denn für den Mindset-Shift braucht es das, was wir mit unserem Sprint-Prozess angehen: Die Schnellboote aus der bestehenden Mannschaft heraus schaffen, statt fremde von außen dazu kaufen.

Experimentieren, Spielen und Mut zur Veränderung!

Keine Frage, es gibt noch viel zu tun und der Bedarf an Expertentum und praxisnahen Lösungen ist groß. Wir verlassen die Veranstaltung mit einem ehrlichen Eindruck des Mittelstands und sehen umso mehr Gestaltungsmöglichkeiten für uns und die New Work Bewegung. Für das nächste Zusammenkommen wünschen wir uns eine aktivere Mischung aus Impulsvorträgen, Interaktion und Dialog. Schließlich, und das bestätigt Referent Manouchehr Shamsrizi mit Einblicken aus seinem Start-up RetroBrain R&D: Wir tragen alle den ‘Homo Ludens’ in uns – den spielerischen Mensch. Wie lässt sich also auch das Miteinander in Organisationen als Entdeckungs- und gegenseitige Experimentierreise gestalten?