Auftakt unserer Energizer in Hamburg

Es ist der letzte Dienstag im Monat September, das Herbstlaub fällt Ton in Ton mit Hamburgs backsteinfarbener Speicherstadt und, gleich gegenüber, im Zippelhaus, werden die ersten Gäste begrüßt. Endlich ist es soweit, wir starten mit unserer eigenen Eventreihe rund um die Themen Zukunft der Arbeit und Kulturwandel. Im Vergleich zu Berlin, wo der Reichtum an Meetups, Community Frühstücken und Konferenzen fast überfordert, geht es in der Hansestadt etwas ruhiger zu. Nicht mehr lange, denn ab jetzt haben wir den Raum für Neues, Diskursives und Vernetzendes geöffnet. Statt ‘just another panel’ gestalten wir Energizer – und wie der Name verrät, passiert hier Lebendiges, echte Interaktion zwischen Teilnehmern, Speakern, uns und euch. Wir möchten die Tradition wiederbeleben, direkt, verdichtet und auf Augenhöhe in atmosphärischer Runde, unaufgeregt zu kommunizieren. Kurz: Essenz, statt Effizienz.

Die Neuerfindung der Arbeit

Für unseren ersten Energizer zum Thema ‘Die Neuerfindung von Arbeit’ war es uns wichtig, zunächst eine Grundsatzdiskussion zu führen. Denn, obwohl wir uns alle bewusst sind, dass sich etwas verändert, bleibt doch die Frage: Was bringt die Zukunft der Arbeit und was ist eigentlich so new an New Work?

Als großer Befürworter des ‘Collective Genius’ luden wir drei Protagonisten unserer Humans Of New Work Initiative ein, welche sich hervorragend als Nährboden unterschiedlicher Pioniere und Andersdenker eignet. Ziel für uns ist es auch, die wachsende Community stärker in Dialog und Austausch mit den Protagonisten zu bringen.

Mittlerweile füllte sich der Raum, das sogenannte Unterdeck, unsere Gäste waren mit Wein und Snacks versorgt – es konnte losgehen, und zwar mit einem Moment der Konzentration jedes Einzelnen. So wurden alle Gäste gebeten, sich ein Post-it zu schnappen und eine Frage aufzuschreiben, die sie bewegt hat, zu unserem Energizer zu kommen. Für solche und ähnliche Achtsamkeitsrituale haben wir uns entschieden, um ein bewusstes Ankommen und Partizipieren zu ermöglichen.  

Anschließend begrüßte Julia von Winterfeldt, Gründerin von SOULWORX, Digital Expertin und Yogini zum ersten Energizer und leitete in das Thema ein, und bat jeden der Redner, seine These anhand eines mitgebrachten, persönlichen Gegenstands darzustellen.

Als Hahn im Korb der Runde erhielt zunächst Lars Braitmayer, HR, Inspiration und Bildung bei Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. das Wort. Mit einem Foto des Herakut Murals am Millerntor Stadion ‘Some people think of dreams as a waste of time. We have a different tradition.’ erklärte er:

Träumen soll erlaubt sein. Wir alle sind ständig im Wandel und glauben zu wissen, wie Arbeit sein soll. Stattdessen sollten anfangen, genau das zu hinterfragen.

Es folgte Sabine Kluge, Global Program Manager Learning and Development der Siemens AG und selbsternannte HR Pfadfinderin. Mit einer persönlichen Anekdote ihres Sommers am See und symbolisch durch ihre Schwimmbrille visualisiert sagte sie:

Freiraum ist das Kernelement in Traditionsunternehmen. Wir müssen es schaffen, sie dazu zu bringen noch einmal reinspringen zu wollen. Dafür braucht es Spielraum seitens der Führungskräfte und Mitarbeiter, die diesen füllen.

Zu guter letzt schloss Marion King, Gründerin der neuen Schule für gutes, neues Arbeiten Les Enfants Terribles mit einem Gedicht von Rainer Maria Rilke ‘Über die Geduld’ und der These:

New Work ist nicht gelöst. Gewisse Regeln gelten nicht mehr und es braucht Vertrauen wie Geduld, um langsam in die Antworten reinzuleben.

Die Diskussion startete zunächst um die Frage, wie viel Freiraum und Strukturen neue Organisationen brauchen, um das Spannungsfeld zwischen persönliche und unternehmerischer Zielsetzung zu lösen. Bei Viva con Agua, wie Lars erzählte, mussten auch zunächst Rituale und Pflichten gefunden werden, um auf der Basis des Vertrauens, statt Misstrauens gemeinsam arbeiten zu können. Die Motivation erfolgt aus persönlichem Antrieb, für die Sache zu stehen und Teil eines Gemeinsamen zu sein. Nur, wie funktioniert das in einem Konzern mit 2000 oder 20.000 Mitarbeitern?  

Brauchen wir in Zukunft noch Führung?

Eine Neudefinition von Führung sei entscheidend, so Sabine Kluge. Sie ist ein erfolgreiches Beispiel dafür, dass Graswurzelbewegungen funktionieren können und durch, in ihrem Fall, öffentliche Blogbeiträge, die Aufmerksamkeit und Zustimmung auf Vorstandsebene erreichten. Ihr Vorangehen und Antreiben des Siemens Enterprise Networks mit mittlerweile 15.000 Gruppen und reger Beteiligung der globalen Mitarbeiterschaft zeige, dass diese stärker miteinbezogen werden möchten. Dafür bräuchte es aber seitens der Führung eine Öffnung hin zum Kollektiv.

Führung funktioniert nicht mehr alleine und auch nicht auf Lebenszeit. Wir brauchen eine kollektive Entscheidungsfindung.

Mit ähnlicher Haltung plädierte Marion King für zukünftige Führungsqualitäten, die stärker auf die eigene Reflektion zurückgehen, um Orientierung geben zu können.

Wir sprechen den mündigen Mitarbeitern ab, dass sie wollen. Um auf die Bedürfnisse eingehen zu können, braucht zwischen Führungskräften und Mitarbeitern schlicht und einfach mehr Kommunikation. Auch Selbstreflektion, gerade seitens der Führungskräfte ist wichtig, um ein Bewusstsein zu schaffen, aktiv zuhören und in Austausch gehen zu können.

Nach einem regen Diskurs und Teilen von Erfahrungswerten zwischen Publikum und Rednern lenkte Julia von Winterfeldt das Gespräch in die Richtung der Unternehmenskultur, denn wie lässt sich diese wirklich (er)lebbar machen?

Was macht Kultur aus?

Trotz dem Hype um Design Thinking, Agilen Methoden und Chill-Out-Areas kann dies nicht das einzige Ergebnis sein, da waren sich alle einig. Dennoch leben wir in einer Leistungsgesellschaft, in der es noch keine alternative Messbarkeit außer Zeit gibt. Könnte es eher etwas wie Rhythmus sein und ein unternehmerischer Mindset, der eine gemeinsame Werte- und Wirkungsgrundlage schafft?

Was beispielsweise die Meetingkultur bei Viva con Agua angeht, berichtet Lars, sei das Ziel persönliche und unternehmerische Aspekte zu vereinen, um die Unternehmenskultur menschlicher und anfassbarer zu gestalten.

Wir sagen klar an, wenn es um persönliche oder unternehmerische Themen geht. Gerade mit unserem bundesweiten Ehrenamtlichen Netzwerk von 10.000 Mitgliedern schaffen wir regelmäßige, physische Treffen und Veranstaltungen. Wer einmal da war, weiß, wie die Unternehmenskultur von Viva con Agua ist. Was zum Beispiel auch dazu gehört, dass Führungskräfte generell nicht immer die Antwort haben müssen sondern ebenso zugeben, im Trial and Error zu sein.

Was am Abend feststeht, ist dass New Work, wie Marion sagte, bedeutet, Unternehmen zukunftsfähig zu bauen. Entscheidend bleibt dafür die Vision und die damit verbundenen Werte wie eine Öffnung von Rahmenbedingungen und Strukturen. Im Sinne dieser Flexibilisierung, darf und muss Führung agiler werden, um Mitarbeiter die Möglichkeit zu geben, sich zu bewegen und ebenso in Verantwortung zu treten.

Schlussendlich gibt es kein All-in-One Rezept, vielmehr galt es für alle Gäste, unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen auszutauschen, Antworten zu finden und ebenso neue Fragen zu suchen.
Um den Bogen zum Beginn des Energizers zu schlagen, bat Julia die Gäste, wieder in einem stillen Moment ein paar Antworten aufzuschreiben, die sich im Laufe des Abends für den Einzelnen ergeben haben. Diese wurden auf einer Post-it Wand zusammengeführt – ganz im Sinne des Collective Genius.

Das war nur der Anfang. Bald geht es weiter!

Wir freuen uns jetzt schon auf den nächsten Energizer, dieses Mal außerplanmäßig am Montag, den 30. Oktober 2017 zum Thema ‘Sinn in Organisationen’. Den ersten Human Of New Work Gast dürfen wir schon verraten: Uwe Lübbermann, Moderator des Kollektivs von Premium Cola.

Wer mehr über unsere Energizer erfahren möchte, klickt sich hier durch. Der Raum ist geöffnet, jetzt müsst nur noch ihr dazukommen!