New Work – Sei Teil von etwas Größerem

– Blogserie Humans Of New Work Crowdfunding
Gastbeitrag von Lars Richter-

New Work ist angetreten, Menschen eine bessere, eine neue Arbeit zu geben und Unternehmen auf den Kopf zu stellen. Erschreckenderweise wird dabei in der letzten Zeit immer häufiger mit alten Mustern argumentiert: Die Neue Arbeit erzeugt zufriedenere Mitarbeiter, zufriedenere Mitarbeiter arbeiten effizienter, effizientere Arbeit steigert den Umsatz. Diese Schlussfolgerung ist zwar durchaus richtig, aber es ist ein Fehler, diese Argumentationsmuster zu bedienen.

Denn so verspricht New Work in erste Linie mehr Profit und nicht eine bessere Arbeit. Wenn’s dann nebenbei noch Spaß macht und schön kuschelig ist – was will man mehr? Old Work, New Work – Hauptsache die Kasse stimmt.

Diese Argumentation, die sogar von echten New Work Enthusiasten genutzt wird, ist grundsätzlich falsch, denn Profit ist kein Unternehmensziel – es ist dessen Ergebnis. Erst, wenn wir uns davon lösen, Profit als oberstes Ziel eines Unternehmens zu sehen, und erkennen, dass Gewinne lediglich der notwendige Motor sind, die eigentlichen Unternehmensziele zu erreichen, entsteht New Work. Alles andere bleibt Kosmetik und Maskerade.

Von einem der auszog, die Welt zu verbessern

Wenn man beginnt diese Erkenntnis als Folie über Unternehmen zu legen, erkennt man sehr leicht, welche Unternehmen „für etwas stehen“ und eine Unternehmensvision haben – und welche nicht. Yvon Chouinard beispielsweise begann seine Unternehmerkarriere mehr oder weniger wider Willen. Der begeisterte Bergsteiger verdingte sich in den 1960er Jahren zunächst als einfacher Hufschmied, der seine Kletterhaken selbst herstellte. (Es war zu dieser Zeit schlichtweg keine Ausrüstung zu beziehen, die seinen Ansprüchen Genüge getan hätte.) Seine Kletterhaken und Karabiner waren jedoch so hervorragend, dass er innerhalb weniger Jahre ein florierendes Geschäft aufbaute und seine Ausrüstung auf den Campingplätzen der Kletterer-Szene verkaufte.

Doch nun wird es interessant: Der immer beliebter werdende Klettersport führte mit den Jahren dazu, dass die Kletterhaken unzähliger Bergsteiger bleibende Narben und Löcher in den Felswänden beliebter Berge hinterließen. Wäre Chouinard bereits damals rein auf Profit ausgewesen, so hätte er den eingeschlagenen Weg weiter beschreiten können. Wo gehobelt wird, fallen eben Späne.

Aber Profit war nie das Ziel seines Unternehmens. Chouinard hat eine Vision des Bergsteigens, die mit der Natur im Einklang ist. Als er realisierte, dass er mit seinen Produkten zur Verunstaltung der Berge beitrug, entwickelte er neue Vorrichtungen, die in bereits vorhandenen Ritzen der Felswände befestigt werden und später wieder leicht entfernt werden können, sodass die Felswand unbeschädigt bleibt.

Kaufen Sie diese Jacke nicht!

Später gab Chouinard die Herstellung von Kletterhilfen ganz auf und begann mit seinem Unternehmen Patagonia Outdoorkleidung herzustellen. Doch Chouinard wäre nicht Chouinard, wenn sich seine Haltung gegenüber der Umwelt nicht auch hier manifestieren würde: So ist Patagonia Mitbegründer der Initiative One Percent for the Planet und spendet 10 % des Umsatzes beziehungsweise 1 % des Jahresgewinns an Umweltorganisationen – je nachdem, was höher ist. Im Jahr 2011 schaltete das Unternehmen am „Black Friday“ in der New York Times die „Werbekampagne“ Don’t Buy This Jacket, mit der sie unter anderem darauf aufmerksam machte, dass die Herstellung einer solchen Jacke 135 Liter Wasser verbrauche. Was dem täglichen Wasserbedarf von 45 Menschen entspricht.

Mittlerweile hat Patagonia das größte Textilreparaturzentrum Amerikas aufgebaut. Es gibt sogar einen Truck mit Mitarbeitern, die von College zu College touren und Kleidung ausbessern – gratis, egal welche Marke! Im hauseigenen YouTube-Kanal gibt es How-To-Videos, die zeigen, wie man beschädigte Outdoorkleidung wieder reparieren kann. Patagonia zeigt, dass Umweltbewusstsein und unternehmerischer Erfolg Hand in Hand gehen können. Seine Mission ist:

Stelle das beste Produkt her, belaste die Umwelt dabei so wenig wie möglich, inspiriere andere Firmen, diesem Beispiel zu folgen und Lösungen zur aktuellen Umweltkrise zu finden.

Man mag Patagonia als kuriosen Einzelfall abtun und seine Mitarbeiter als Idealisten, die auf seltsame Weise trotz aller Widrigkeiten unternehmerischen Erfolg haben. Man könnte sich aber auch eingestehen, dass Unternehmen möglich sind, die Profit nicht als oberstes Unternehmensziel sehen.

Natürlich macht Patagonia Profit.

Aber Profit ist (lediglich) der Motor der Unternehmensvision und das Ergebnis sinnstiftender Arbeit. Das ist es, worum es bei New Work im Kern geht: Sinnstiftende Arbeit und das Bewusstsein, Teil von etwas Größerem zu sein.

 

Dieser Text von Lars Richter ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz. (Ausgenommen sind die für diesen Blogartikel verwendeten Bilder.)

Danke Lars Richter!
Personal- & Organisationsentwickler bei der MediaMarktSaturn Retail Group und freiberuflicher Trainer