Was wir aus der Humans Of New Work Crowdfunding-Kampagne lernen

Heute ist es fast genau eine Woche her, seitdem wir das Crowdfunding für unsere Initiative Humans Of New Work beendet haben. 30 Tage lang lief die Kampagne auf Startnext und erreichte schlussendlich, dank 63 wunderbaren Unterstützern, eine Summe von 3.395€. Für ein Projekt, das irgendwo zwischen Storytelling, Social Impact und abstrakter Zukunftsmusik fällt, sind wir in jedem Fall zufrieden und auch ein bisschen erleichtert. Wer schon einmal eine solche Kampagne durchlaufen ist – für uns war es übrigens das erste Mal – weiß, auf welche Achterbahnfahrt man sich einlässt. Für alle, die mit dem Gedanken spielen, selbst eine zu starten, möchte ich den Raum öffnen, um über den Verlauf der Kampagne zu reflektieren und Erkenntnisse mit euch zu teilen.

Am Anfang war der Traum 

Humans Of New Work entstand aus der gemeinsamen ‘Soulworkers Mission’, die neue Arbeitswelt anhand von Geschichten und Bildern nahbarer und verständlicher zu machen. Wie wir die Initiative im März diesen Jahres starteten, so begannen wir auch unsere Crowdfunding Kampagne: Sinngetrieben, ambitioniert und ein wenig träumerisch. Neben der finanziellen Unterstützung reizte es uns zu erforschen, auf welche Resonanz das Thema ‘New Work’ außerhalb der eigenen Filterblase stoßen wird.

Als Team schöpften wir all unser Tun aus eigener Kraft, erstellten einen detaillierten Kommunikationsplan, überlegten uns anregende Dankeschöns und steckten uns ein hohes Ziel von 20.000 für das angestrebte Funding. Wir waren überzeugt, die Summe realistisch und ehrlich kalkuliert und geplant zu haben, zumal das Projekt neben der Kundenarbeit nicht nur unsere eigene Arbeitszeit, sondern ebenso externe Leistungen rund um technische Entwicklung, Gestaltung und Content Management in Anspruch nahm. Dennoch, und das lässt sich heute natürlich einfacher sagen als davor, haben wir hier zu hoch gepokert. Der Traum traf auf die Realität.

Das Zünglein an der Waage

Im Auf und Ab der Achterbahnfahrt stellten mitten im Kampagnenzeitraum fest, dass uns zwar durchweg positive Reaktionen und Rückmeldungen zum Projekt erreichten, die fehlenden Unterstützungen jedoch nie ausreichend unser Fundingziel decken würden. Statt in Problemen zu denken, einigten wir uns als Team kurzum auf eine Lösung, nämlich die Fundingschwelle herunterzusetzen. Mit einem offenen und ehrlichen Brief an alle, die es galt zu informieren und ebenso weiter anzuspornen, uns zum Erfolg zu verhelfen. Diese Entscheidung brachte uns schlussendlich dahin, wo wir heute stehen.

Was bleibt, ist die Erfahrung

Im Nachhinein lassen sich viele Ursachen auf das ‘Wie’ und ‘Warum’ finden, doch was am Ende bleibt, ist die eigene und geteilte Erfahrung. Letztendlich lernen wir nur durch Erlebnisse, die wir mit Emotion und Verstand durchlaufen, reflektieren und im Austausch mit anderen weitergeben. Letzteres möchten wir im Folgenden versuchen.

Meine fünf Learnings aus der Crowdfunding Kampagne 

  1. Man kann nicht nicht kommunizieren

Die Vorbereitung und Planung der Kommunikation ist (fast) alles. Denn nach dem Aufbau der Crowd, dem Befüllen eurer Verteiler und Entwicklung der Visuals fängt die Arbeit erst richtig an. Von den Social Media Kanälen über unsere Newsletter auf SOULWORX und Humans Of New Work, den Startnext Blog sowie persönlichen E-Mail und WhatsApp Kontakt des eigenen Netzwerks hätte man leicht den Überblick verlieren können. Für uns war es deshalb hilfreich, vorab einen detaillierten Kommunikationsplan auszuarbeiten, der nicht nur Inhalte, sondern vor allem Tonalität, Frequenz und Timing festlegte. Achtet nicht nur darauf, was wir sagt, sondern mit welcher Intention und Intonation ihr vermitteln möchtet.

  1. Das ‘Was habe ich davon’ Prinzip

Beim Crowdfunding ist es besonders wichtig, immer aus der Perspektive der potenziellen Unterstützern zu denken und zu handeln. Dafür braucht es am Anfang der Kampagne eine klare, transparente und vor allem leicht verständliche Zielsetzung nach dem Motto ‘Was passiert mit meinem Geldbetrag?’ und ‘Was passiert nach der Kampagne?’ Für uns war dies ein Knackpunkt. Denn als Content-Plattform in Projektform einer jungen Strategieberatung fehlt die Haptik eines Produkts, die Konkretheit des Ergebnisses und sicherlich ein Stück weit der persönliche Mehrwert oder anders gesagt der ‘Ich habe etwas für einen guten Zweck getan’-Effekt.

  1.  Die Sensibilität des Themas 

Je mehr Dringlichkeit und individuelle Betroffenheit das Thema adressiert, desto einfacher gelingt es, eine hohe Aufmerksamkeit und Bereitschaft aus der Crowd zu entwickeln. Durch den Verlauf der Kampagne ist uns deutlicher geworden, wie wichtig es ist, die Menschen an ihrem ganz persönlichen (Schmerz-)punkt abzuholen. Gerade beim Thema New Work befinden wir uns noch ganz am Anfang einer zukunftsweisenden Bewegung. Damit diese nicht elitär behandelt wird, sondern gesamtgesellschaftlich an Relevanz gewinnt, um sich weiterzuentwickeln, müssen wir vielleicht nochmal einen Schritt zurückgehen. Anstatt auf ideologischen Höhenflügen unterwegs zu sein, möchten wir Geschichten schreiben, mit denen sich Einzelne identifizieren und wiedererkennen. Deshalb seid euch bewusst, wie relevant euer Thema wirklich ist.

  1.  Ganz als Team oder gar nicht 

Unabhängig davon wie groß euer Team ist, das für die Crowdfunding Kampagne
zuständig ist, jeder muss dafür brennen. Vom Zeitpunkt an dem wir uns dafür
entschieden haben, wurde klar, dass jeder hinter dem Projekt und unserem Schritt in die Öffentlichkeit stand. Insbesondere in der aufregenden Kampagnenzeit, müsst ihr euch gegenseitig stützen, eure Stabilität wahren und jeden Einzelnen mit den eigenen Netzwerken als Multiplikatoren der gemeinsamen Mission nutzen.

  1.  Der angenehme Nebeneffekt 

Nicht nur ihr selbst lernt über euch, sondern auch andere Menschen kommen initiativ
auf euch zu. Crowdfunding ist ein wunderbares Mittel, um mehr Aufmerksamkeit und Reichweite zu verschaffen – eben, die Crowd zum wachsen zu bringen.

Das letzte Learning unterstreicht unsere Schlussgedanken am passendsten. Zwar erreichten uns viele neue Menschen mit ihren Gedanken als Nebeneffekt und doch ist es genau das, was die Vision von Humans Of New Work für uns ausmacht. Auch wenn das Thema noch nicht jedem so dringlich und wichtig wie uns erscheint, ist es umso wertvoller zu sehen, dass das Interesse an Veränderung und die Neugier am Neuen zweifellos besteht. Schon jetzt, kurz nach der Kampagne haben wir als eines unserer Dankeschöns mehreren Persönlichkeiten die Möglichkeit gegeben, ihre Gedanken zur Zukunft von Arbeit zu teilen. Zudem konnten wir zwei neue ‘Partner for Change’ gewinnen; Hans-Gerhard Kühn, Gründer des AgenturCamps und Gerhard Maier, Gründer von peopledynamix. Die Verbindung mit Gleichgesinnten ist das, wonach wir streben. Wir als SOULWORX Team möchten die Bewegung deshalb weiter vorantreiben und werden bis Ende des Jahres 20 weitere Stories schreiben.

Ein großes Dankeschön von Herzen an unsere Humans Of New Work Protagonisten und jede einzelne Unterstützung – ob in Form eines Dankeschöns oder eines Facebook Posts. Lasst uns gemeinsam die Zukunft gestalten! 

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