Bewusstes Handeln ist stärker gefordert als je zuvor

Die durch die Corona-Pandemie ausgelösten Maßnahmen greifen tief in unser Wirtschaftssystem ein, sowohl global als auch national. Die angeordneten Beschränkungen zum Schutz vor dem Virus wirken an manchen Stellen wie ein Katalysator: Home Office schien vielfach nicht als Arbeitsmodell zu taugen, in der Not geht es doch. Eine neue kollektive Einstellung und Flexibilität bezüglich der Arbeitszeiten in Unternehmen erscheint notwendig, um so Arbeitsplätze zu erhalten und zukunftsfähig zu bleiben. Auch die Frage nach gesellschaftlicher Verantwortung erhält einen neuen Stellenwert und rückt mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit für wirtschaftliches Handeln.

Das Beispiel der Fleischindustrie zeigt auf, wie wichtig Bewusstsein und Verantwortung in der heutigen Zeit ist

Deutlich wird das an den Nachrichten aus der Fleischindustrie. Hier scheint ein Skandal dem nächsten zu folgen in unserer Art Fleisch zu erzeugen. Billiges Fleisch. Geschuldet ist dies dem weltweit steigenden Verzehr von Fleischprodukten. Die einzige Maxime der Fleischproduktion scheint der Profit zu sein. Und jetzt sind Schlachthöfe Hotspots der Coronapandemie durch Arbeitsbedingungen, die dem Grundsatz der Würde des Menschen und auch der Tiere widersprechen.

Dies verdeutlicht, welche Grundhaltung unsere Gesellschaft Arbeitskräften und Tieren gegenüber hat. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil möchte hier nun von Grund an aufräumen und menschenwürdige Arbeitsbedingungen durchsetzen. 

Wie konnte es überhaupt so weit kommen? Welche Verantwortung haben wir als Konsumenten gegenüber uns selbst, aber auch gegenüber den Menschen, die unter offensichtlich unwürdigsten Bedingungen für uns das Töten der Tiere übernehmen?

Auf welchen Werten basiert die Grundhaltung unserer Gesellschaft?

Es ist unbequem sich solchen Fragen zu stellen, doch es ist wichtig. Darin äußert sich der Wille, die Grundhaltung unserer Gesellschaft zu hinterfragen. Es ist wichtig, dass wir uns bewusst machen, wie unser Handeln und wie wir interagieren Folgen nach sich ziehen kann. Die schrecklichen Details, die im Fall Tönnies ans Licht geraten, sind Realität für viele Menschen – und das nicht nur in der Fleischindustrie. Eines der Kernprobleme sind beispielsweise die Werkverträge, die es in zahlreichen Branchen gibt. Laut Studie des ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsordnung) setzen knapp 90% der deutschen Unternehmen Werkverträge für mindestens einen Kernprozess ein. 

Das Bewusstsein und die Bewusstwerdung zeigt auf: wir können aktiv werden!

Hier ist nicht nur die Politik gefragt. Jetzt ist es an der Zeit, dass wir nicht mehr wegschauen. Bewusstwerdung geschieht nach und nach in unserer Gesellschaft. Das gibt uns Mut und weckt unsere Gestaltungslust, denn wenn wir aktiv und bewusst handeln, können wir wirklich etwas in dieser Welt verändern. In einer Zeit, in der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft unweigerlich zusammen rücken, sollten auch wir uns bewusst machen, was unsere Haltung ist und was wir wirklich in der Welt bewegen wollen. 

Dabei müssen es gar nicht unbedingt die großen Schritte sein, um eine Veränderung zu bewirken. Jeder von uns hat seinen eigenen Einflussbereich, in dem er oder sie Expert*in ist. Im Beispiel der Fleischindustrie können wir uns etwa fragen: Wie steht es mit meinem Fleischkonsum? Kann ich mit meinem Verhalten Einfluss nehmen? Kann ich auf Fleisch verzichten? Oder kommt es seltener auf den Tisch als Besonderheit? Indem wir unsere eigene Haltung und unser Handeln entsprechend anpassen, gestalten wir den ersten Schritt hin zu einem menschlicheren Wirken.

 

Petra Rietz & Charlotte Rohwäder & Laura  Vieth