Worüber wir diskutieren: Gelingende Beziehungen im Arbeitskontext – Was ist das? Wie geht das?

Grundsätzlich Liebe 

Beziehungen sind etwas kompliziertes. Oft. Man muss sich nur den Markt der Ratgeberliteratur anschauen, unzählige Beziehungsratgeber füllen Regale. Wahrscheinlich hat schon jede*r von uns mal etwas in der Richtung gelesen, mit der Hoffnung nun endlich bessere Beziehungen führen zu können. Es gibt sogar Hitlisten der besten Beziehungsratgeber. Interessanterweise ist Erich Fromms Buch Die Kunst des Liebens, das 1956 erschien, immer noch hitverdächtig. 

In all den vielen Ratgebern geht es fast immer um partnerschaftliche Beziehungen. Bis heute scheinen Beziehungen wenig verändert und müssen gestärkt, geheilt, erneuert und bearbeitet werden. Beziehungen scheinen etwas Privates und Konfliktbeladenes zu sein. Zwei Menschen kommen nicht gut miteinander aus. Dafür holen sie sich Rat von außen. Wenn Beziehungen gelingen, beschäftigen sie uns weit weniger. Es läuft ja. Warum sich also Gedanken machen?

Aus unserer Sicht öffnet Fromm den Zweierbeziehungs-Horizont vom individuellen zum gesellschaftlichen Kontext im Umgang miteinander, wenn er schreibt: „Liebe ist die einzig vernünftige und befriedigende Antwort auf die Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz.“

Das heißt, Liebe ist etwas Elementares, etwas Grundlegendes für jeden Menschen. Wenn es das ist, gilt das wirklich für jeden Menschen und beeinflusst unser Miteinander ganz erheblich. Ohne kooperatives Miteinander wären wir aller Wahrscheinlichkeit nach nicht am heutigen Stand der Evolution, sondern nur eine Randerscheinung im Weltenlauf gewesen.

 

Erfolg durch Kooperation

Klar ist: Ohne Kooperation und Miteinander lassen sich die aktuellen globalen Probleme, seien es die Pandemie, der Klimawandel die wirtschaftlichen Herausforderungen , die damit einhergehen, nicht bewältigen. Das ist uns (fast) allen bewusst. Wir atmen alle die gleiche Luft auf diesem Planeten, auf dem wir leben. Wir trinken alle das gleiche Wasser, das in einem großen Kreislauf zwischen Erde und Himmel um die Welt zirkuliert. 

Priorisieren wir also gemeinsam diese drei globalen Probleme, die wir bewältigen müssen und die uns alle – unabhängig von Nation, ethnischen Hintergrund und Religion – angehen: 

  • der Umgang mit der Pandemie 
  • der Umgang mit Klimawandel 
  • der Umgang mit wirtschaftliche Disruption

Um im Umgang mit diesen erfolgreich sein zu können, müssen wir eine humane Wirtschaft entwickeln und stärken. Dann, und nur dann, wenn wir mutig gemeinsam diese Themen in den Vordergrund stellen, entwickeln wir uns wirklich weiter.  Hier liegt die Betonung auf “gemeinsam”. Denn wenn wir weitermachen wie bisher und unsere egoistischen Bedürfnisse ausleben, werden die Gräben zwischen den Menschen tiefer und führen zu einer Spaltung in nützliche und nutzlose Existenzen. 

Wir sind in der Lage bewusste unserem natürlichen Drang folgend miteinander zu agieren und können eine neue Vision der Welt gestalten, die den Menschen und letztlich dem Planeten dienlich ist. Wenn wir Verantwortung übernehmen, jede*r Einzelne von uns, werden wir Lösungen finden, die uns einen und Entwicklung ermöglichen. Treibt uns jeder weiterhin ein “Höher-Weiter-Besser” besteht die Gefahr, Menschen als nutzbringend oder nutzlos einzusortieren. Es liegt an uns. Bewusst und verbunden zu denken ist eine Entscheidung, eine innere Haltung. 

Ein Schritt in die Richtige Richtung ist, sich bewusst zu machen, dass alles mit allem zusammenhängt.   Das mag zu einer Binsenweisheit geworden. Deren Konsequenz ist allerdings leider nicht bis in alle menschlichen Denksysteme vorgedrungen. Zu sehr empfinden wir uns als Einzelteile in einem riesigen Kosmos. Was eben nicht der Realität entspricht unds deutet sich an, dass es in der Liebe nicht nur um etwas gehen kann, das zwischen zwei (oder auch mehr) Menschen eine rein individuelle Beziehung ist

 

Liebe im Arbeitskontext

Zurück zu Fromm. Liebe ist etwas Existenzielles, nichts rein Individuelles. Was ist denn überhaupt die Liebe? 

Für die alten Griechen gab es drei Arten der Liebe:

Eros 

– die sicher uns allen bekannte Form der körperlichen Liebe und Anziehung, die Bezug nimmt auf den Gott Eros. Sie kann einschlagen wie ein Blitz und uns, so heißt es, des Verstandes berauben. Eine Macht, gegen die der Mensch machtlos erscheint. 

Philia 

– hier geht es um die freundschaftliche Beziehung, die auf gegenseitigem Respekt basiert. Entscheidungsfreiheit und bewusstes Handeln können Antrieb für die Beziehung sein. Philia schafft eine Beziehung zwischen Menschen mit gleichen Interessen, einem gemeinsamen Ziel.

Agape 

– wird als die erhabenste Form der Liebe bezeichnet. Sie ist die uneigennützige Liebe, eine generelle Menschenliebe oder eben Nächstenliebe. Diese Liebe ist frei von jeglichen Erwartungen.

Die Liebe kann sich als Urmacht äußern, sie kann Menschen über sich selbst hinauswachsen lassen und sie kann bewusst eine Beziehung zwischen Menschen entstehen lassen. In unserem Kontext ist diese Form der Beziehung eine realistische Option, die Menschen mit der Möglichkeit etwas Gemeinsames zu schaffen zusammenbringt. Vielleicht ist das die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Kann man, wenn Liebe im Spiel ist, grundsätzlich von einer gelingenden Beziehung sprechen?

Wir machen uns viele Gedanken darüber, was eine gelungene Beziehung ist und wünschen uns Verbundenheit. Denn eines wird immer deutlicher: die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen des letzten Jahres, und auch die Pandemie, haben zu einem grundlegend neuen Denken über Arbeit und das Verhältnis unter und zu unseren Kolleg*innen geführt. 

Deshalb werden wir in diesem Jahr bei SOULWORX noch fokussierter unser Bild eines Hauses für gelingende Beziehungen im Arbeitskontext ausbauen und stärken. Es geht um die aufrichtige Beziehung zu uns selbst, lebendige und wirksame Beziehungen untereinander, in denen alle Beteiligten erblühen, und ebenso geht es um die Beziehung in Unternehmen und zwischen Unternehmen und Gesellschaft. Denn: Verantwortung für Menschen und Umwelt ist zukunftsfähig und ermöglicht eine humane Wirtschaft.

Immer wieder diskutieren wir miteinander und fragen: Wann nehmen wir Beziehungen speziell im Arbeitskontext als gelungen wahr? Wenn wir auf uns  schauen, fragen wir: Leben wir bei SOULWORX das, was wir „predigen“? Leben wir unsere Vision der gelingenden Beziehungen? Was machen wir daraus? 

 

Reden verbindet

Bei unserem letzten Workshop im Dezember konnten wir gut erkennen, wie wir gelingende Beziehungen lebendig werden lassen. Uns beflügelt eine innere Haltung, die auf Empathie, Zugewandtheit, Wertschätzung und Respekt gründet. Das beeinflusst die Art unserer Kommunikation miteinander und natürlich auch mit unseren Kunden. Sie erzeugt Vertrauen, macht Lust darauf Neues zu lernen, uns gegenseitig zu unterstützen und uns gemeinsam auf die Vision, die wir mit SOULWORX verwirklichen möchten, auszurichten. 

Das ist nur ein Aspekt, der Verbundenheit erzeugt, der uns unsere Verbundenheit mit dem, was wir erreichen möchten erleben lässt. Jede* von uns sollte sich und ihre Stärken einbringenen können und selbst bestimmen, wieviel Distanz oder Nähe dafür benötigt wird, um Aufgaben wahrzunehmen und eigene Positionen mit Inhalt zu füllen.

Zur unseren Kommunikationsprinzipien gehört, dass jede*r Zeit und Gehör findet, um Gedanken auszudrücken. Da jeder seine eigene Persönlichkeit ist und diese mit in das Gelingen der Arbeit einbringt, zeigen sich unterschiedliche Herangehensweisen an Herausforderungen, Aufgaben und Probleme. Dies wird geschätzt und akzeptiert. Es gibt kein: So machen wir das. Es geht nicht um Anpassung. Im Gegenteil. Jede*r wird individuell wahrgenommen und anerkannt. Es wird analysiert, wie sich das in den Arbeitskontext einfügt und wie dies Ziele und Arbeit bereichert und inspiriert.

Es ist Platz echtes Vertrauen zu entwickeln, Offenheit und auch Verletzlichkeit zu zeigen, ohne Befürchtungen. Dadurch fällt es uns leicht, Feedback anzunehmen und zu integrieren oder auch dagegen zu argumentieren. Unsere Erfahrung ist: diese Feedback-Kultur verhindert, dass sich jemand angegriffen fühlt. Dadurch ist die Chance gegeben, etwas zu lernen und sich weiterzuentwickeln, statt sich abzuschotten und sich möglicherweise innerlich zurückzuziehen. Diese wohlwollende Art ist für einige von uns neu. War doch in den früheren Arbeitskontexten Anpassung und Erfüllung von Kennzahlen oberste Priorität.

Fact & Numbers spielen natürlich auch bei uns eine Rolle, die gemeinsame Vision steht jedoch im Vordergrund. Das stärkt unser Zugehörigkeitsgefühl und unsere Freude an der Arbeit. Wir glauben daran, dass wir durch Verbundenheit in unsere Lebendigkeit und Wirksamkeit kommen. So entstehen gelingende Beziehungen, die es uns ermöglichen unsere Vision anzugehen und zu verwirklichen. Und das Thema weiter zu tragen.

Für unsere Kund*innen heißt das: Wir ermöglichen gelingende Beziehungen im Arbeitskontext, damit die Kraft einer Organisation sich voll entfalten kann. Und gemeinsam gestalten wir in echtem Miteinander in Kultur, Führung und Zusammenarbeit eine humane Wirtschaft. Das steht für uns in einem größeren, gesellschaftlichen Kontext und sorgt für Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit.

 

Gelingende Beziehungen

Wie so vieles, fast alles im Leben basiert eben auch unsere Arbeit auf der Interaktion zwischen Menschen, auf Beziehungen.  Wir stehen in ständiger Beziehung zu unseren Kolleg*innen, zu unserer Rolle und zu unserer Organisation. Die Qualität dieser Beziehungen ist häufig ausschlaggebend für Zufriedenheit, nachhaltigen Erfolg und die Freude an der Arbeit. Deswegen ist es uns ein Anliegen gelingende Beziehungen im Arbeitskontext zu ermöglichen und dauerhaft zu verankern.

Gelingende Beziehungen bieten einen Rahmen für Wachstum und Entwicklung. Im Arbeitskontext basieren sie auf verschiedenen Qualitäten wie Anerkennung, Respekt, Vertrauen, Neugier,  Engagement und dem Wunsch nach Weiterentwicklung auf beiden Seiten. Ein offenes Miteinander gehört ebenfalls dazu. Denn eine wertschätzende Kommunikation, die Vertrauen erzeugt, ist eine der Grundlagen für Beziehungen, die gelingen und die Arbeit nicht zum bloßen Job machen, sondern Entwicklung auf allen Ebenen – persönlich, gesellschaftlich und global – möglich machen. 

Vielleicht hast Du Lust,  bewusst auszuprobieren, was passiert, wenn Du den Mut hast, Dich wirklich einzulassen:

  • Geh mit einer positiven Grundhaltung in das Gespräch. 
  • Geh voran und sei offen für Dein Gegenüber. 
  • Zeige Interesse und Neugier. 
  • Mach Dir keine Gedanken über Deine Antwort. 
  • Warte ab. Lass Dein Gegenüber ausreden. 
  • Lass Dir  Zeit für Deine Antwort.
  • Frag nach, wenn Du etwas nicht verstanden hast. 
  • Sei geduldig mit Deinem Gegenüber aber auch mit Dir selbst. 
  • Habe den Mut, über Deine Gefühle, Befürchtungen und Wünsche zu sprechen.
  • Und wenn es Dir zuviel wird, sage auch das.

Was sind für Dich weitere Qualitäten einer gelingenden Beziehung? Und was braucht es dafür? 

Und wenn Du Dich auf unsere Anregungen eingelassen hast: Welche Erfahrungen hast Du gemacht?

Das SOULWORX-Team freut sich auf Deine Erfahrungen und eine rege Diskussion miteinander.

 

Petra Rietz