Selbstwirksamkeit hilft durch Krisen

Was ist los mit uns? Überforderung landauf und landab. Führungskräfte sind überfordert. Angestellte sind überfordert. Selbstständige sowieso. Familien sind überfordert. Und wirklich überfordert ist das Personal in unseren Kliniken. Und Politiker sind überfordert. Was passiert da? 

Wir erleben in unserer Arbeit bei SOULWORX, dass Kunden sich sorgen um ihr Mitarbeiter, um deren Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Denn in unsicheren Zeiten, wie wir sie aktuell erleben, kommt der Glaube an sich selbst und die eigene Handlungsfähigkeit unter die Räder. Wir verlieren das Gefühl der Selbstwirksamkeit, das hilft die Herausforderungen der Krise erfolgreich bewältigt. Ohne Selbstwirksamkeit scheint uns das Leben zu entgleiten, es entsteht das Gefühl, keine Kontrolle über die Entwicklung der eigenen Zukunft mehr zu haben, dem Schicksal schutzlos ausgeliefert zu sein.

Wie es war, wird es nicht mehr

Wir erleben, dass alte Gewissheiten ihre Gültigkeit verlieren. Und wir wissen nicht, wie sich die Zukunft gestalten wird. Wir wissen das zwar eigentlich nie, aber bisher waren die Lebenssituationen so, dass wir in der Vorstellung einer gewissen Sicherheit und Planbarkeit leben konnten. Durch die Pandemie wird uns diese Unsicherheit, diese Ungewissheit täglich wieder ins Bewusstsein geworfen und wir müssen lernen damit umzugehen. Niemand entgeht dem. Und es wirkt sich auf allen Ebenen aus: im Alltag, in der Arbeitswelt, in der Politik, in der Wirtschaft, im Gesundheitswesen und hier noch doppelt: im Schutz der eigenen Gesundheit und der Gesundheit der anderen. 

Wir waren es gewohnt, täglich zur Arbeit zu gehen. Viele haben sich am Montag schon das nächste Wochenende herbeigesehnt. Viele litten unter immer dem Gleichen. Sollte das bis zur Rente so gehen?

Alles ist anders

Plötzlich wurde man ins Home Office geschickt. Was viele sich wünschten und was scheinbar so lange unmöglich war, ging nun doch. Mittlerweile zeigen sich auch hier die belastenden Seiten. Besonders für Frauen, da sie traditionell immer noch die Hauptverantwortung für Kinder und Haushalt übernehmen. Plötzlich kommt so manchem der Gang ins Büro wie ein kleiner Urlaub vor.

In anderen Unternehmen zeigt sich, dass das Zugehörigkeitsgefühl zum Unternehmen an vielen Stellen nur Makulatur gewesen zu sein scheint. Betriebsfeiern und andere Vergnüglichkeiten mögen die Illusion gestärkt haben, alle an einem Strang zu ziehen. Aber jetzt wird sichtbar, dass das Unternehmen den eigenen Mitarbeitern doch nicht traut und meint, die Kontrolle über die Belegschaft zu verlieren, wenn sie im Home Office ist. Das wahre Menschenbild, welches die Wirtschaft antreibt, wird sichtbar und es ist kein gutes, sondern geprägt von großem Misstrauen. 

Geschäftsreisen fallen weg. Das ist erstmal gut für die Umwelt und ein großer Zeitgewinn für Einzelne. Auf der wirtschaftlichen Seite hat das Auswirkungen auf unser Mobilitätswesen: weniger Flüge, weniger Bahnfahrten bedeuten möglicherweise weniger Arbeitsplätze im Verkehrswesen, aber auch weniger Anregungen für die Menschen, die viel unterwegs waren, ganz nach der Devise „Reisen bildet“. Schlimm wirkt sich auch  aus, dass Urlaubsreisen fast unmöglich sind. 

Unsicherheit bringt uns an den Rand des Abgrundes

Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen. Viele fühlen sich isoliert und eingesperrt, manche einsam, wir alle leiden mehr oder weniger unterschiedlich. Wir fühlen uns zutiefst verunsichert. Menschen hassen dieses Gefühl. Gern hätten wir es doch wieder so wie immer. Aber es deutet sich immer mehr an, dass es kein Zurück mehr gibt. Doch was bleibt uns, wenn alte Gewissheiten und Sicherheiten uns keine Orientierung mehr geben? Wie können wir wieder mehr  Sicherheit erlangen?

Wir können in unserem Wunsch verharren, das Rad der Zeit zurück zu drehen und uns Sündenböcke im Außen suchen. Irgendjemand hat immer Schuld an unserer Misere. Das ist einfach und wir können uns weiterhin der Illusion hingeben, es wird schon wieder, wenn die anderen sich nur anders verhalten.

Den Umgang mit den eigenen Gefühlen lernen

Eine viel bessere Möglichkeit besteht darin, einen adäquaten Umgang mit den eigenen Gefühlen der Unsicherheit zu erlernen. Wie können wir das tun?

Wir können uns ein Vorbild suchen als Modell. Ein Mensch, der sich krisensicher verhält und von dem wir etwas übernehmen können. Scheint schwierig zu sein im Moment, da wir alle ähnlich betroffen sind. Dennoch kann ich mich umschauen und nach Vorbildern Ausschau halten. Das ein oder andere lässt sich sicher adaptieren. Vielleicht hat der Kollege oder die Kollegin etwas, was wir übernehmen könnten? Vielleicht ein Nachbar oder die beste Freundin?

Wir können lesen und auch beim streamen inspirierende Ideen aufnehmen. Da wir ja offensichtlich alle mehr Zeit haben in dieser Pandemie und viel auf Plattformen Netflix & Co. unterwegs sind, könnten wir uns ja ganz bewusst Filme anschauen, in denen die Protagonisten ungewöhnliche und mutige Bewältigungsstrategien an den Tag legen. Oder Bücher. Rutger Bregman beschreibt in Im Grunde gut: Eine neue Geschichte der Menschheit unsere sozialen Fähigkeiten als treibende Kraft der Menschheitsentwicklung und sein Verweis, dass wir die Möglichkeit haben, selber Einfluss nehmen zu können auf unseren Umgang mit uns und der Welt, macht Hoffnung.

Wir können uns auch etwas sagen lassen. Hier geht es nicht darum blind einer Anweisung zu folgen, sondern sich Unterstützung zu suchen, den Umgang mit sich selbst auf ein neues Level von Bewusstsein zu bringen, das dazu führt wach zu bleiben, Leidenschaften zu entwickeln und selbstwirksam zu werden, anstatt sich vom Alltag leiten zu lassen, einfach nur zu funktionieren.

Unsere Antwort auf den Wandel

Weil wir wissen, dass wir eine Revolution brauchen, um mit den Unsicherheiten um uns herum, dem raschen Wandel, der fortschreitenden Digitalisierung der globalen Vernetzung, der Dezentralisierung, den exponentiellen Technologien und den höheren Anforderungen an Ethik und Bedeutung in der Arbeitswelt kreativ und zukunftsfähig umzugehen, haben wir all unsere Erfahrungen gebündelt und SOULution – das Programm für mehr Selbstwirksamkeit entwickelt.

Denn genau jetzt ist die Zeit sich aus den alten Konditionierungen zu lösen und sich aus einer Art Bewusstlosigkeit zu befreien. Es ist Zeit, den eigenen Ängsten nicht mehr aus dem Weg zu gehen, sondern sie konstruktiv anzunehmen und zu nutzen und Intuition und Freude zuzulassen. Sich für die Geheimnisse und Möglichkeiten des Lebens zu öffnen, das Weibliche und das Männliche zu integrieren und das Abenteuer des Lebens zu umarmen. Für eine echte Revolution, durch die wir in echtem Miteinander und wahrem Wachstum eine bessere Welt kreieren.

Petra Rietz