Worüber wir diskutieren: Verunsicherung überall. Wo finden wir Sicherheit?

Leben in unsicheren Zeiten

Die Pandemie und ihre Auswirkungen erschüttern unsere Lebens- und Arbeitswelten bis in die Grundmauern. Die uns bekannten Strukturen geraten ins Wanken. Der Klimawandel verstärkt diese Unsicherheit, die wir angesichts der äußeren Erschütterungen empfinden, noch. 

Junge Menschen sehen sich um ihre Zukunftsperspektiven gebracht. Unternehmen stehen vor oft unüberwindbaren Herausforderungen. Das globale Marktgeschehen wird von nie dagewesenen Faktoren zermürbt. Und jede/r von uns fühlt die große Bedrohung für die eigene und die Gesundheit unserer liebsten Menschen. 

Mit der Umbenennung des Facebook-Konzerns in Meta und der Aussicht, dass im Metaverse physische und digitale Welten zusammenkommen sollen, ist ein neues Kapitel der Identitätsbildung aufgeschlagen. Die Fragen “Wer bin ich? Wer will ich sein?” werden das Individuum vor noch größere Herausforderungen stellen, als es bisher schon war. 

Als selbstverständlich empfundene Dinge sind nicht mehr gewiss. Wir leben in unsicheren Zeiten.  

 

Sicherheit, ein Grundbedürfnis

Wir Menschen wünschen uns Sicherheit. Unsicherheit erzeugt Angst.

Das  spüren und nehmen wir auf jeden Fall in unseren Gesprächen mit unseren Kunden wahr. Deshalb haben wir SOULWORKER  genau diese zu unserem Monatsthema gemacht und intern leidenschaftlich diskutiert. Um uns dem Thema anzunähern, haben wir uns zunächst die Frage gestellt „Was ist Unsicherheit für jede von uns?“ Es ging lebhaft zu. Denn diese Frage hatte etwas Konfrontatives und verwies auf das, was wir uns ungern vorstellen, nämlich auf die persönlichen Bilder, die wir mit dem Wort UNSICHERHEIT verbinden.

Chaos, Kontrollverlust, Bedrohung, Gefahr, Handlungsunfähigkeit, Nichtwissen, Nichtgreifen können sind die Worte, die das Gegenteil von Sicherheit bedeuten. Damit deutet sich schon an, was für uns Menschen notwendig ist, um das Gefühl von Sicherheit zu erleben. Steffi bringt es auf den Punkt: „Ich fühle mich sicher, wenn ich weiß, ich kann mich verändern, ich kann auf alles reagieren, ich kann mich anpassen. Es liegt bei mir und ich bin fähig damit umzugehen.“ 

Sicherheit ist ein menschliches Grundbedürfnis, das gleich nach den existenziellen Grundbedürfnissen Essen und Trinken kommt. In der Bedürfnispyramide nach Abraham Maslow  stellt sich das (bildlich) dar: Basis bilden die physiologischen Grundbedürfnisse, dann kommt das Bedürfnis nach Sicherheit, gefolgt von den sozialen Bedürfnissen und dann den individuellen Bedürfnissen.

 

A Crack in Everything

Bleiben wir bei dem Bedürfnis nach Sicherheit und stellen die Frage: Wo finden wir Sicherheit n, wenn die Welt um uns zusammenbricht oder zumindest große Risse hat? Leonard Cohen besingt diese Risse in einem Song „There is a crack, a crack in everything. That´s how the light gets in….” 

Dieser Riss kann nicht mehr einfach zugekleistert werden. Kontrolle auszuüben, um wieder Sicherheit zu erlangen, ist in dieser Welt, in diesem Leben, in diesem Alltag nicht mehr möglich. Es braucht etwas völlig anderes, eine neue Perspektive und Denkweise, ja, eine neue Haltung, um Sicherheit ganzheitlich in unser zu Leben integrieren.

Es fällt in unserem gemeinsamen Nachdenken über Sicherheit auch der Satz: „Sicherheit ist eine Illusion.“ Erich Kästner hat es so ausgedrückt: „Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.“ Wir spüren in unserer Diskussion, dass wir versuchen ein sehr emotionales und hoch komplexes Thema über den Kopf zu erfassen. Und es kommt die Frage auf, wo wir überhaupt nach Sicherheit suchen. Sicherheit auf Äußerlichkeiten aufzubauen, scheint in eine Sackgasse zu führen. Das wird aktuell immer deutlicher. Und wir forschen bei uns selbst, was wir brauchen, um uns sicher zu fühlen.

Und es zeigt sich, dass Zuversicht, Selbstvertrauen, Erfahrung und Geborgenheit, sich eingebettet fühlen, uns auf den Pfad zu innerer Sicherheit führen. Das Wissen um Verbundenheit spielt dabei eine entscheidende Rolle. Verbundenheit mit Menschen, aber auch ganz wichtig ist die Verbundenheit mit uns selbst. Man könnte es so ausdrücken: Sicherheit ist Verbundenheit mit allen Facetten. Hinzu kommt, dass es wichtig ist, das Gefühl zu haben, das eigene Leben zu führen. Also sich sicher zu sein, dass die Widrigkeiten des Lebens bewältigt werden können. Das ist nichts andres als Selbstvertrauen.

 

Ein sicherer Arbeitsplatz

DIN-Normen und Sicherheitsschuhe bringen nicht das, was aus dem Inneren heraus in Verbundenheit und mit Selbstvertrauen möglich ist. Verbundenheit mit meinem Arbeitsplatz, meinem Team, meinem Arbeitgeber, mit meiner Rolle. Bin ich eingebettet in mein Team, in meinen Unternehmenskontext und kann ich Beitragen zu etwas Größerem, sind wichtige Faktoren aus denen Sicherheit geschöpft werden kann. Und es ist unsere Erfahrung, dass Sinn und Vision dazu beitragen und Sicherheit schenken. 

Wir sind überzeugt: Sicherheit kann in der heutigen Zeit nur von innen heraus entstehen. Das gilt für das individuelle Leben ebenso wie für den Arbeitskontext. Ein sehr wichtiger Grundpfeiler ist eine gute Führung, die Menschen alles zur Verfügung stellt, damit sie ihr volles Potenzial zu entfalten können. Dabei ist von großer Bedeutung, alle Ebenen des menschlichen Seins zu berücksichtigen: materiell, emotional und auch psychologisch.

Zukünftig werden Gedanken wie, mit wem verbinde ich mich, über was verbinde ich mich und wozu trage ich bei, eine große Rolle in der Arbeitswelt spielen. Sinn und Vision geben dabei wichtige Impulse, und Sicherheit wird im Wesentlichen durch emotionale Faktoren wie Verbundenheit entstehen. Unsere Vision ist in echtem Miteinander in Kultur, Führung und Zusammenarbeit eine humane Wirtschaft zu gestalten.

Petra Rietz