Licht am Ende des Tunnels

Überforderung auf höchster Ebene

So langsam wird klar, die schwelenden Belastungssyndrome durch die Pandemie werden uns nicht von heute auf morgen aus ihren Fängen lassen. Überforderung ist das Schlagwort der Krise. Wir werden noch eine Weile postpandemische Auswirkungen erleben und so tun wir gut daran, einen neuen Umgang damit zu lernen. Eine große Chance damit umzugehen, sehen wir im #echtenMiteinander, denn der erste Schritt, Resilienz aufzubauen und eine neue Art des Umgangs ist: miteinander reden, wirklich zuhören, Empathie und Mitgefühl zu entwickeln.

Führungskräfte leiden ebenso wie ihre Mitarbeiter und Teams an den Belastungen, die uns die pandemische Krise schon seit über einem Jahr aufbürdet. Die Pandemie hat uns an einer sehr empfindlichen Stelle gepackt. An unserem Streben nach Sicherheit. Wenn auch vielen schon vor Corona klar war, dass es diese gewünschte Sicherheit so nicht immer gibt und das Leben fragil ist, sind wir durch das  Virus sehr unsanft aus unseren Illusionen geweckt worden.

– Gestandene Unternehmer berichten sowohl von körperlichen, als auch von psychischen Symptomen durch die Überforderungen in der Krise.

– Unternehmen fragen nach Programmen, die ihre Mitarbeiter begleiten, damit die aus der Pandemie resultierenden psychischen Belastungen nicht in psychische Erkrankungen führen.

– Auch wir spüren die Auswirkungen der Lockdowns, des Social Distancing, die Ängste um unsere Gesundheit, die der Familie und Kolleginnen und erforschen Maßnahmen, Tools und Strategien, die Resilienz stärken und Ausdauer fördern, damit wir gut durch die Pandemie kommen. 

Jetzt, wo Licht am Ende des Tunnels sichtbar wird, wenn auch nur ein schwaches Licht, durch Impfungen und mehr Wissen über den Verlauf der Pandemie, scheinen wir auch ans Ende unserer Kräfte zu kommen. Viele kennen das: der Urlaub beginnt und in den ersten Tagen ist man erstmal krank. Der Stress fällt ab, der Druck lässt nach und der Körper, der bis dahin durchgehalten hat, pocht auf Ruhe und Auszeit. Vorher war keine Zeit dafür da. 

Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Empathie

Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Empathie als Eckpfeiler guter Führung brauchen in der Corona-Krise neben dem „Alltäglichen“ noch mehr Zeit und Ausrichtung und werden mehr und mehr als sehr anstrengend empfunden. Viele Führungskräfte leiden an Überforderung. Ebenso viele Mitarbeiter*innen in Unternehmen. Wir erleben das in den Anfragen unserer Kunden nach Unterstützung. Sie sind auf der Suche nach Angeboten, die ihren Mitarbeitern helfen, mental gesund zu bleiben und eine gewisse Resilienz zu erlernen. 

Schon vor Corona deutete sich an, dass die psychischen Belastungen durch das Schneller – Weiter – Höher, Wachstum um jeden Preis, im Wirtschaftskontext einen hohen Tribut forderten: hohe Krankschreibungsquoten, ebenso eine hohe Fluktuation. Psychische Erkrankungen wie Burnout und Depressionen sind keine Seltenheit mehr. Dazu führen Überforderung und Unzufriedenheit. In der Regel geht es weniger um mehr Geld als um mehr Wertschätzung seitens des Arbeitgebers. Corona verstärkt zwar die Angst vor einem Jobverlust bei anhaltendem Lockdown, aber der Druck, besonders der psychische Druck, der sich während des Corona-Jahres aufgebaut hat, verstärkt die Missstände und zeigt die Auswirkungen eines krankenden Wirtschaftssystems wie unter einem Brennglas. Das alles erzeugt Stress. Hinzu kommen in diesem Jahr noch die Anforderungen, die die Digitalisierung in Deutschland extrem beschleunigt hat. Was vorher versäumt wurde, musste nun von heute auf morgen funktionieren . Das  Schlagwort der Lockdownzeit ist digitaler Stress.

Gute Führung und Mitarbeiterbindung neu denken 

Was wird also heute von guter Führung verlangt? Wie lässt sich Führung neu lernen und umsetzen? Um zukunftsfähig zu sein, reicht es nicht mehr aus, Arbeitsumgebungen attraktiv zu gestalten und Werte auf Webseiten und an Wänden zu platzieren. Es muss endlich gelebt werden, was gepredigt wird. Es kann nicht mehr alles so  gemacht werden, wie es schon immer gemacht wurde. 

Laut einer Umfrage von Businesslover wünschen sich mehr als 90% aller Mitarbeitenden von ihren Vorgesetzten grundsätzlich mehr Empathie. Bezogen auf den gestiegenen digitalen Stress durch Home Office und der damit einhergehenden Auflösung von Privatleben und Arbeit, sind neue Strategien notwendig, um durch gute Führung Mitarbeiter vor Überforderung zu schützen und zu unterstützen, ihre Arbeit gut und gerne zu tun.

Schon vor Corona war die Unzufriedenheit mit der Unternehmenskultur ein Grund für die Unzufriedenheit von Mitarbeitenden. 43% von 2000 Befragten (Hay) gaben an, auf Grund der Unternehmenskultur ihren Job verlassen zu wollen. Wir interpretieren das so, dass es nicht wirklich eine Unternehmenskultur gibt oder dass diese nicht gelebt wird. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang aus unserer Sicht auch, dass 71% der Beschäftigten eine Lohnkürzung akzeptieren würden, um einen besseren Job zu bekommen.

Kernfragen für Unternehmen

Die Kernfragen, die sich Unternehmen heute stellen sollten, sind: Warum gibt es uns als  Unternehmen? Was ist der tiefere Sinn, hinter dem sich unsere  Mitarbeitenden vereinen  können? Was braucht es, um echtes Miteinander und wahres Wachstum in die Wirtschaft zu bringen, um so die Menschen vor Überforderung und Unzufriedenheit zu bewahren?.
Vor allem auf der Führungsebene muss sich etwas ändern. Vor allem auch, weil Unzufriedenheit und Überforderung eben nicht vor der Führungsebene halt machen. Schon im Dezember 2020 titelt die Tagesschau Corona-Pandemie: Viele Top-Manager sind überfordert und fragt „Ständige Lockdowns, harte Sparmaßnahmen und verunsicherte Mitarbeiter: Viele Firmenchefs befinden sich momentan zwischen Ohnmachtsgefühlen und permanentem Veränderungsdruck. Zudem stellt das Home Office die Hierarchien in Frage. Wie stark verändert Corona die Führungskultur?“

Die Umstellung in vielen Unternehmen auf die Arbeit aus dem Home Office verlangt mehr als nur Führung top down. Es geht um eine veränderte Art der Kommunikation, die geprägt ist vom Miteinander aller Beteiligten. Es geht darum, das eigene Führungsverständnis bewusst zu entwickeln und aktiv Zeit für Führung einzuräumen. Mitarbeitende brauchen Zeit um gestärkt zu werden, Ängste vor der Digitalisierung sollten  berücksichtigt werden und ein menschlicher Umgang ist gefragt. Nähe und Vertrauen müssen auch im virtuellen Raum aktiv gefördert  werden, Kollaboration will behutsam übertragen werden, um die Motivation zu erhalten. Wir fragen uns: Steht Führung jetzt unmittelbar vor der Herausforderung eine menschlichere  Wirtschaftsethik zu implementieren? Bedeutet Erfolg zukünftig mehr als nur Zahlen zu präsentieren, und wenn ja, was noch?

Bei guter Führung Erfolg

Julia von Winterfeldt, die Gründerin der Purpose- und Strategieberatung SOULWORX, ist überzeugt, dass ein guter Purpose die Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und angestrebter Zukunft ermöglicht. Einige Studien haben gezeigt, dass Menschen, die etwas für sie Sinnvollem nachgehen, länger leben, mehr Zufriedenheit und Freude empfinden und sogar besser schlafen. In Unternehmen, die auf das Sinnerleben ihrer Mitarbeitenden achten, ist nicht nur das Engagement höher. Laut einer McKinsey-Studie bleiben Menschen, die in ihrem Job Erfüllung finden, auch mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit länger als fünf Jahre bei Ihrem Arbeitgeber. Zudem erzielt das Unternehmen bessere Ergebnisse: Purpose-orientierte Unternehmen wachsen in einem 3-Jahres-Zeitraum um mehr als 10 Prozent! 

Das bedeutet, der Purpose eines Unternehmens sollte auf allen Ebenen, besonders auch auf der Führungsebene in Fleisch und Blut sitzen, damit die Zukunft im Zusammenspiel aller, mit Zuversicht und Zugehörigkeitsgefühl erfolgreich erlebt werden kann und Überforderung und Unzufriedenheit keine Chance haben.

Wie finden Unternehmen und Führungskräfte heraus, wofür sie tun, was sie tun? Und wie kann das im Unternehmen implementiert werden? SOULWORX arbeitet mit dem eigens entwickelten ACT – Process. ACT steht für »Activate Conscious Transformation« mit dem Ziel hin zu einer neuen Führungskultur in Unternehmen. Der vierstufige Prozess hilft dabei, die richtigen Fragen zu stellen Räume zu etablieren, Menschen aus dem Unternehmen zusammenzubringen, um so partizipativ wichtigen Fragen nachzugehen und den Purpose gemeinsam zu definieren. Darüber hinaus wird der Purpose nicht nur definiert, sondern es werden auch die ersten Maßnahmen initiiert und ergriffen, den Purpose auch wirklich im Unternehmen zu leben.

Der Prozess besteht aus vier Phasen: 

1. Auftakt: 

Ziele, Grundlagen und Prozessgestaltung werden festgezogen. 

2. Artikulierung: 

Purpose und Vision werden gemeinsam formuliert. 

3. Auswirkung: 

Sinn und Vision werden mit den strategischen Bereichen in Einklang gebracht. 

4. Aktivierung: 

Die für die Umsetzung des Purpose passenden Maßnahmen werden gefunden.

Petra Rietz